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Kommt eine Schwalbe aus dem Osten geflogen

11. August 2013 | 1 Kommentar

Fahrzeug und Gerätewerk Simson

Die wechselhafte Geschichte von Simson spiegelt die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der jeweiligen Zeiten wider. Dies zeigt sich bereits in den Änderungen des Firmennamens. Bis zum heutigen Simson-Lizenznehmer „MZA Meyer-Zweiradtechnik-Ahnatal GmbH“ war es ein weiter Weg. Eines ist jedoch geblieben. Die Namen dreier Simson Modelle lassen noch heute die Herzen aller Fans höher schlagen: Schwalbe, S51 und SR50.

Simson Schwalbe: Sie ist der ultimative DDR-Renner!

Simson Schwalbe
Von allen Simson-Modellen ist bis heute die „Schwalbe“ am beliebtesten. Über eine Million Mopeds dieses Typus verließen zwischen 1964 und 1986 die Herstellung. Durch die Masse und das bis heute zeitlose Design wurde die Simson Schwalbe zum absoluten Kult. Ob in den östlichen Bundesländern oder sonst wo in Deutschland: jedes Jahr treffen sich regelmäßig Anhänger der Marke, um der eleganten Dame zu huldigen. Hierbei ist zwischen zahlreichen Baureihen zu unterscheiden. Die Beliebtheit der Simson-Modelle ist mittlerweile ein europäisches Phänomen, auch unsere Nachbarn in Österreich, der Schweiz oder Holland sind von den Beständigkeits-Wundern begeistert. Und für die männlichen Fans gibt es sogar einen Simson Kalender mit heißen Modellen.
Die Beliebtheit ist nicht nur (n)ostalgischen Gefühlen geschuldet. Als DDR-Bürger gewöhnte man sich daran, das Praktische dem Komplizierten vorzuziehen. Und die Schwalbe war in vielerlei Hinsicht praktisch! Am Anfang war sie ein besonders fixes Fortbewegungsmittel, sie brachte es auf nahezu 70 Stundenkilometer. Schnell war infolge dessen auch der Gesetzgeber, der die Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer begrenzte. Dazu konnten bereits 15-Jährige die Schwalbe ohne Führerschein fahren – ein großer Vorteil für alle, denen die Wartezeit auf den ersten Pkw oder bis zur Volljährigkeit zu lang wurde.

Simson S51: leistungsstarke Vielfalt aus dem Baukasten

Einige technische Raffinessen führten dazu, dass die Baureihe S51 neben der Schwalbe das beliebteste Simson-Modell wurde. Zusammen mit der S50-Reihe wurden über 2 Millionen Zweiräder produziert.
Wartungsfreundlicher und eine stärkere Leistung, dies zeichnet die S51 Modelle gegenüber den Vormodellen aus. Dies wurde unter anderem durch ein optimiertes Kolben-Hub-Verhältnis und außen liegende Kurbelwellendichtringe erreicht. Durch die Verwendung einer Ziehkeilschaltung konnte der Motor der Simson S51 mit drei bis sogar fünf Gängen produziert werden. Auch die sogenannte Baukastenkonstruktion war ein Grund für vielfältige Ausführungen des Modells. Relativ unkompliziert konnten so einzelne Anbauteile oder technische Ausstattungen variiert werden. Darüber hinaus sorgte eine Reichweite von über 300 Kilometern für ein Gefühl von echter Freiheit.

Simson SR50: im Alltag bewährt

Simson SR50
Der „Simsonroller 50“ war das Nachfolgemodell zur bekannten Simson Schwalbe. Mit einigen neuen Ansätzen und technischer Neuausstattung kann es jedoch ohne Zweifel als eigenständiges Modell gesehen werden. Vor allem zeichnete sich der SR50 durch weitaus besseren Fahrkomfort aus. Die Sitzposition wurde angepasst und der Rahmen neu gestaltet. Doch im Innern setzte man weiterhin auf die bewährte Abgasanlage, das Vergasersystem und den M541/M531 Motor der S51-Reihe.
Eine breite Variantenvielfalt allein dieser SR50-Modelle überrascht, gerade im Hinblick auf die sonst eingeschränkte Wahlfreiheit im DDR-Konsum. 5 Varianten wurden produziert: SR50N, SR50B3, SR50B4, ST50C und ST50CE. Bis heute sind vor allem in den ostdeutschen Ländern viele SR50 Modelle auf den Straßen im Einsatz zu sehen – warum auch nicht, der SR50 ist und bleibt ein Alltagsgefährt. Ostdeutsche Meistertechnik, die noch heute begeistert. So heißt es in einem der damaligen Werbespots:

„Einfach in der Bedienung, sicher und stets einsatzbereit. Für Wochenendfahrten und im Berufsverkehr. Ein Fahrzeug für Jedermann. Keine Wartungssorgen. Keine Schwierigkeiten in der Unterbringung. Immer sicher am Ziel.“

Markus Schulze

Kommentare (1)

Clarky schrieb am 12.09.2015 um 20:58Uhr:

Da verstehe ich nicht warum der SR50/80 bei jungen Leuten und Simson-Tunern so wenig beliebt ist und dabei kann man den „Roller so prima schön und technisch modern machen

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